02 Januar 2015

[Autoreninterview] Christian Schwetz

Huhu meine Lieben,

Ich dürfte mit dem lieben Christian Schwetz ein Interview führen.

Taschenbuch. Liebe M, und dann interessiert mich eine Frau; und fast gleichzeitig eine zweite; und zur Ablenkung treff ich eine dritte; und dieses Frühling-Interesse-Gefühle-gern-haben-wollen-Zeugs drückt einen Stempel über alles drüber und ich will nur noch mit IHR, der abstrakten IHR, der, die auch will, zusammen sein und schreiben und plaudern und reden und anschaun und einfach Schritt für Schritt für Schritt für Schritt gehen, irgendwohin, wo es uns hinführt.
Veröffentlichungen: "Zwischen Brot und Spiel", Kurzgeschichten, Testudoverlag, 2010, "Traanbecks Ausnahmezustand", Roman; Arovell-Verlag, 2011, sowie in diversen Anthologien und Zeitschriften








Christian Schwetz, geb. 30.12.1962, lebt und arbeitet (als Steuerberater und Autor) in Wien.
In den 80er Jahren war er neben dem BWL-Studium literarisch aktiv. Im Verlauf der Diplomarbeit "Die wirtschaftliche Lage der Schriftsteller in Österreich" beschloss er, das Schreiben nicht zum Beruf zu machen und wurde Steuerberater.
Gründungs- und Vorstandsmitglied von "DAS SPRECH-Initiative für Sprach-, Sprech- und Hörkunst";
Langjährige Zusammenarbeit mit der Band "Novi Sad".


Ab wann war dir bewusst, dass du Autor werden wolltest? Was hat dich dazu bewegt?

Kommt darauf an, wie du „Autor“ definierst. Geschrieben und die Texte / Gedichte / Geschichten im mehr oder weniger kleinem Kreis verteilt und vorgelesen habe ich schon in der Volksschule, dann wieder als Jugendlicher und neben dem Studium. Im Lauf der Diplomarbeit „die wirtschaftliche Lage der Schriftsteller in Österreich“ (und die ist statistisch in Deutschland nicht viel besser) ist mir eher bewusst geworden, dass ich nicht „Autor“ werden will, im Sinn von jemand, der oder die vom Schreiben leben muss.
Nach der Geburt meiner Tochter und Engagement im Brotberuf als Steuerberater ist das Schreiben dann sehr in den Hintergrund getreten…, bis meine Tochter älter und selbständiger wurde und ich gemerkt habe, dass mir etwas fehlt. Ich hab dann meinen „Privatmythos“ erfunden und mich gefühlt, wie einer, der als Jugendlicher ein großes Fußball- oder Tennistalent war, auf dem Weg in die Weltspitze und zu Ruhm und Reichtum, aber es nicht geschafft hat. Aber wenn Fußball, Tennis, oder in meinem Fall Schreiben einfach Spaß macht – es wäre doch idiotisch nur aus Trotz, und weil es nicht zur GANZ großen Karriere gereicht hat, darauf zu verzichten.
Na ja, und nach der Veröffentlichung meines ersten  eigenen Buches – einer kleinen Textsammlung im Testudo-Verlag, hab ich mich dann als „Autor“ im Sinn von jemand, dessen Texte auch veröffentlicht werden gefühlt. Also was mich dazu bewegt hat, war wohl hauptsächlich der Spaß am Schreiben und am Feedback des Publikums.

Gibt es in deinen Bücher Parallelen zu eigenen Erfahrungen, die dich dazu inspiriert haben? Bzw. woher nimmst du deine Inspiration?

Ich glaube, dass kein Text, erst recht kein ganzes Buch das Leben und die Erfahrungen des Autors zu 100%  oder zu 0% wiedergibt. Ich glaube werde an „es war wirklich so“ noch an „das hat gar nix mit mir zu tun“. Es ist immer irgendwo dazwischen. Bei mir persönlich liegt mein erster Roman „Traanbecks Ausnahmezustand“ wahrscheinlich eher unter 50%. Der Anreiz, diese Geschichte über die Geburt eines kollektiven Bewusstseins zu schreiben war ein Gedankenspiel. Es gibt den Ich-Erzähler, den personalen Erzähler – warum soll es keinen WIR-Erzähler geben. Aber was könnte alles passiert sein, damit irgendein „WIR“ von sich selbst glaubwürdig als „WIR“ sprechen kann…

Mein aktueller Roman „mails & love“ ist der Versuch, diverse Kurzgeschichten, Gedichte, und rhythmische Prosatexte durch E-Mails des Protagonisten an eine gewisse „M“ und durch den Stimmungsbogen, der aufgebaut wird, zu einer geschlossenen Geschichte zu verbinden. Es geht – grob vereinfacht – um die Entwicklung eines Typen innerhalb von rund eineinhalb Jahren und wie er, nach einer Scheidung das Leben und „die Liebe“ neu kennen lernt. Diese Geschichte hat weit mehr als 50% mit meinem Leben zu tun, aber das Spannende (besonders für die, die mich privat kennen) sind ja dann die Erfindungen und Weglassungen. Eine stimmige literarische Wirklichkeit ist eben doch etwas anderes, als eine im „wirklichen“ Leben.

Wie entstanden und entwickelten sich die Protagonisten?

Auch in einem Wechselspiel zwischen Phantasie und realen Vorbildern. Während ich bei „Traanbeck“ zuerst Idealtypen hatte, die ich dann doch mehr oder weniger mit einem Mix realer Eigenschaften von Freunden und Bekannten belegt habe, war es bei „mails & love“ umgekehrt. Da habe ich die realen Personen, die Vorbild der Protagonisten waren, literarisch verfremdet.

Hast du ein Lieblingsprotagonist?

Da muss ich glaub ich zwischen „Fjodor“ und den anderen Protagonisten unterscheiden. Eigentlich sind mir alle Prots mit ihren Stärken und Schwächen und Spinnereien gleich ans Herz gewachsen – aber da die Figuren mit dem Namen „Fjodor“ am ehesten gleichzeitig einem Alter Ego entsprechen, liegen die mir noch ein bissl näher.
Wobei ja der Fjodor in „Traanbeck“ ein ganz anderer ist, als in „mails & love“, oder erst recht die „Miriam“, die als Name auch in beiden Büchern vorkommt. Die haben aber nichts miteinander gemeinsam, als meine Vorliebe für ausgefallene Namen.

Gab es während des Schreibprozesses Blockaden?

Nein. Es gab natürlich Passagen und Kapitel, die waren zäher und wollten sich nicht so leicht in eine Form, mit der ich zufrieden war bringen lasen als andere, aber wirkliche Blockaden gab es nicht.

Gibt es einen Lieblingsort an dem du schreibst?

Eher zwei Lieblings-Settings. Ich verdiene mein Geld ja nach wie vor als Steuerberater und hab nur vor einigen Jahren die Arbeitszeit auf 35 Stunden / Woche reduziert. Nach der Arbeit kann mich aber schwer überwinden, mich einfach hin zu setzen und irgendwas drauf los zu schreiben.
Da hilft mir sehr, dass ich regelmäßig in eine Schreibwerkstatt gehe. Wenn Ort und Zeit fixiert sind, ich von den Schreibpädagogen (oder wie immer du sie nennen willst) Anregungen bekomme, der Raum voller kreativer, netter Leute ist, die nachher auch gutes Feedback geben,…. da läuft es dann wie von selbst.

Das Abfeilen, Überarbeiten, oder wenn ich mal ein gewisses Gerüst habe, das Ganze zu einer längeren Geschichte oder zu einem Roman zu machen – das mach ich dann daheim an meinem Schreibtisch. Das ist für mich aber weniger eine Frage des Ortes als der Ressourcen und Möglichkeiten.

Wie wichtig ist dir das Cover eines Buches?

Sehr wichtig. Ich muss einen emotionalen Bezug dazu haben. Irgendwann macht es bei der Coversuche halt „klick“ und es passt für mich. 

Was bedeutet Lesen für dich?
Lesen gehört zu den Dingen, die mir Spaß machen, mir „Erfüllung“ bringen. Nicht immer, aber oft genug. Wie Musik, Film, Theater, Ausflüge, Städtereisen, gute Unterhaltungen mit FreundInnen…
Natürlich hatte ich auch mal den Anspruch an mich, von anderen Autoren lernen zu wollen, wie man es macht, oder wie man es nicht machen soll…. Aber das habe ich aufgegeben. Ich will mich lieber ganz auf ein Buch einlassen, wenn es mir gefällt. Und es weglegen, wenn es mir nicht gefällt. Wahrscheinlich lern ich ja trotzdem daraus, aber eher unbewusst.

Welches Buch hast du zuletzt gelesen?


Zusammen ist man weniger allein, von Anna Gavalda. Das war das WienBuch 2014, ist in Büchereien etc. gratis verteilt worden. Finde ich eine tolle Aktion der Gemeinde Wien. 

Wie sieht dein Alltag aus? Hast du Kinder?
Mein Alltag besteht aus der täglichen Arbeit als Angestellter in einer Steuerberatungskanzlei, dann Haushalt, möglichst einen Tag in der Woche zur Schreibwerkstatt gehen, die meiste Zeit am Wochenende mit meiner Freundin und alle zwei Wochen auch mit ihrer Tochter verbringen. Und dabei trotzdem auch ein bissl was von sonstiger Kultur (Kino, Theater, Konzerte, Ausstellungen) mitbekommen, meine Freunde treffen…
Oft finde ich, der Tag müsste mehr als 24 Stunden und die Woche mehr als 7 Tage haben, um das alles unterzubringen.
Meine Tochter ist inzwischen 17 und lebt sein ca. 2 Jahren ganz bei mir, besucht ihre Mutter nur einen Abend in der Woche; da hat sich die Regelung von der Scheidung, nach der sie zwei Abende pro Woche und jedes zweite Wochenende bei mir war, mehr als umgekehrt.
Einerseits kocht sie sehr gern und oft; andererseits macht sie derzeit unglaubliches Chaos in der Wohnung – rein arbeits- und zeittechnisch gleicht sich das wahrscheinlich aus. Und so lange es nicht um Schule, Arbeit, Zukunft oder andere schwere Themen geht, sondern wir nur gemeinsam fernsehen oder uns gegenseitig Musikvideos vorspielen kommen wir sehr gut miteinander aus…

Was ist deine Lebensphilosophie?
Ich versuche immer mehr, bewusst im Hier und Jetzt zu leben. Bewusst lesen, fernsehen, spazieren gehen, Natur genießen, Kultur konsumieren, mit lieben Menschen intensive Zeit verbringen. Und mir dabei Zeitfenster zu lassen, in denen ich ganz bewusst versuche, die Vergangenheit zu reflektieren und zu genießen oder die Zukunft bzw. eher die nächsten Projekte und Schritte zu planen. Den für mich optimal Mix aus in mich selbst reinschauen und Eindrücke von außen aufnehmen finden…

Hast du schon das nächste Projekt im Kopf?
Am 30.12. wurde die E-Book-Neuauflage von „Traanbecks Ausnahmezustand“ veröffentlicht, dafür will ich halt ein bissl Werbung machen.
Rund einen Monat später werd ich eine ganz alte Textsammlung von mir, mit Texten aus den Jahren 1984 bis 2000 unter dem Titel „Himbeer-Joghurt-Stacciatella-Zeit“ auch als E-Book neu herausgeben. Da geht es im Jänner dann um’s Cover,  die Form, auch um Werbung.

Und ein neues Buch – auch eine Sammlung aktueller Texte / Geschichten / Gedichte soll Ende 2015 / Anfang 2016 erscheinen. Das Grundkonzept hab ich schon, jetzt geht es um die konkrete Auswahl der Texte, Überarbeitung einzelner Texte, und dann das ganze so in Form bringen, dass es wieder mehr ist, als die willkürliche Summe der einzelnen Texte…; könnte also durchaus sein, das es doch länger dauert, bis zur Veröffentlichung

Ich bedanke mich herzlich bei Christian Schwetz, ich hoffe es hat euch gefallen :)


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