07 März 2015

[Autoreninterview] Marianne Kaindl

Huhu meine Lieben,

Die Liebe Marianne Kaindl hat sich heute mal Zeit genommen :)


Sechs Katzen und ein Todesfall

Das Frauchen verhaftet, der Futternapf leer – und das alles wegen diesem aufgeblasenen Erfolgsguru Franz Frummelmann, den – absurder Gedanke! – Frauchen umgebracht haben soll. Vergiftet, mit Methanol. Katze Coco ist nicht so sehr überzeugt davon, dass die beiden ermittelnden Kommissare der Aufgabe gewachsen sind und beschließt: „Ich werde selbst ermitteln“. Zur Unterstützung engagiert sie ihre Katzen-Mitbewohner Maxi, Purzel, Merlin, Percy und Goldie. Denn sie selber ist zwar schön, klug und selbstbewusst (findet sie, zu Recht), aber sie ist erst ein Jahr alt, noch unerfahren in den Windungen der Kriminalistik und außerdem etwas abgelenkt durch ihre Liebe zu Kater Felix von schräg gegenüber. Dass so ein Leben als Privatdetektivin ganz schön gefährlich werden kann, das entdeckt sie spätestens dann, als sie bei der Recherche in der Frummelmann GmbH, dem Unternehmen des Ermordeten, einem vietnamesischen Koch zur Vorspeisen-Zubereitung übergeben werden soll…


Biografie
Guido Karp für p41d.com
Ich lebe mit meinen sechs Katzen Coco, Maxi, Purzel, Merlin, Percy und Goldie am Bodensee, in einem 150 Jahre alten Gebäude mit schweren Fachwerk-Balken in der Nähe von Meersburg. Meine Begeisterung für Katzen nahm ihren Anfang, als 1995 eine streunende Dorfkatze mir zwei ihrer Babys brachte. Die Kleinen fragten nicht lang, sondern nahmen einfach mein Haus und mein Herz in Besitz. Ich studierte Germanistik, Philosophie und Buchwesen. Ich veröffentlichte mehrere Kurzgeschichten in Zeitschriften, außerdem ein Buch als Ghostwriterin. Mein erstes Werk schrieb und illustrierte ich schon im frühen Alter von sieben Jahren – es handelte von einer Königin in ihrem Schloss und war ein Geschenk für meine Mutter zum Muttertag. Seitdem hat das Schreiben und Gestalten mich nicht mehr losgelassen. 1991 machte ich es zu meinem Hauptberuf und ergänzte es durchs Fotografieren. „Sechs Katzen und ein Todesfall“ ist mein erster Katzen-Krimi, am zweiten bin ich schon dran.

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Ab wann war dir bewusst, dass du Autorin werden wolltest? Was hat dich dazu bewegt?

Da war ich sieben und ich schrieb und illustrierte mein erstes Buch. Ein Buch über eine Königin, mit einer Zeichnung ihres Schlosses. Das war riesengroß und hatte vier Türme. Ich schenkte das Buch meiner Mutter zum Muttertag. Nein, ich beschloss an diesem Tag nicht, Autorin zu werden. Zum Schreiben war kein Entschluss nötig, das war für mich immer schon ganz normal und lebensnotwendig.

Gibt es in deinen Bücher Parallelen zu eigenen Erfahrungen, die dich dazu inspiriert haben?

Na klar! Aber es gibt nichts aus meinem Leben, das ich 1:1 in meine Geschichten übernehme. Das setzt sich alles in meinen Geschichten ganz neu zusammen. Zum Beispiel: Die Katzen Coco, Maxi, Purzel, Merlin, Percy und Goldie gibt es wirklich. Wenn ich morgens aufwache, dann sitzen sie alle um mich rum – leider bis auf Maxi, die vor zwei Wochen gestorben ist, mit 18 ½ Jahren. Aber die Katze, die liest und schreibt, dazu hat mich E.T.A. Hoffmann mit seinem „Kater Murr“ inspiriert. Und dass Coco ein iPhone mit einer App für Katzen nutzt, ja – das war eine Idee, die mir irgendwann mal an der Supermarktkasse gekommen ist. 2a. Bzw. woher nimmst du deine Inspiration? Ich muss etwas vor meinem inneren Auge sehen. Ich wache auf, oder ich liege in der Badewanne – und schwupps! weiß ich, wie es weitergeht. Meistens passiert das in entspannten Situationen. Es kann auch sein, dass ich im Sommer im Café sitze, und eine Situation, die ich beobachte, inspiriert mich. Oder ein Wort, das ich aufschnappe, löst Assoziationen aus, die mein Buch weiter voranbringen. Eine der ersten Erzählungen, die ich veröffentlichte, entstand dadurch, dass mir in der Schreib-Ausbildung mein Trainer die Aufgabe gab: „Es kam mit der Morgenpost… - so, und jetzt mach da eine Geschichte draus!“ (Es wurde eine Liebesgeschichte.) Der Plot meines Katzenkrimis, der war an einem Morgen beim Aufwachen einfach da. Glücklicherweise war es ein Samstag, so dass ich gleich mit Schreiben loslegen konnte! Einen Trick habe ich von der Schriftstellerin Luise Rinser übernommen: Die schrieb nicht, bis ihr nichts mehr einfiel, sondern sie hörte auf, wenn sie noch genau wusste, wie es weitergeht. Dann ist es nämlich ganz einfach, sich am nächsten Tag an den Computer zu setzen und weiterzuschreiben.

Wie entstanden und entwickelten sich die Protagonisten?

Die sechs Katzen des Katzenkrimis begleiten mich durch meinen Alltag. Ich habe ihre wichtigsten Wesenszüge in den Krimi übernommen und das durch Eigenschaften ausgeschmückt, die Katzen im normalen Leben nicht haben, über die aber eine Krimi-Katze verfügen muss, damit sie den Fall lösen kann. Ihr Frauchen Rebekka ist wie ich geschieden. Glücklicherweise war ich selber aber nie in Rebekkas Situation – mein Ex lebt noch, und ich hoffe, dass er gesund und munter ist. Sie ist Fotografin (ich fotografiere sehr gern und kenne mich da sicher auch ein bisschen aus), und sie macht Foto-Composings. Foto-Composings macht der Fotograf Pavel Kaplun, von dem ich sehr viel gelernt habe und der auch das Vorwort zum Katzen-Krimi schrieb. Das sind Kunstwerke, die aus einzelnen Fotografieren gestaltet werden, sie kommen also aus dem Unbewussten. Mit ihren Composings kann Rebekka deshalb Zusammenhänge darstellen, die ihr bewusst noch gar nicht klar sind. Wie zum Beispiel, dass diese grässliche Frau Beck schwanger ist. Das spielt dann für die Auflösung des Krimis eine wichtige Rolle.

Hast du einen Lieblingsprotagonisten? 

Natürlich Katze Coco, die einfach witzig und frech und direkt ist und sich manchmal in Situationen vorwagt, die böse ausgehen könnten.

Gab es während des Schreibprozesses Blockaden?

Nein. Ich habe geschrieben wie eine Wahnsinnige. Ich habe während meines Urlaubs durchgeschrieben. Am Ende des Urlaubs war ich zwar nicht sehr erholt, aber mein Krimi war fast fertig. 

Gibt es einen Lieblingsort an dem du schreibst?

Ich schreibe immer in meinem Büro, da steht mein Computer. Notizen mache ich dann, wenn mir eine Idee kommt. Das kann morgens im Bett sein oder am Nachmittag in einem Café am Bodensee, ganz egal.

Wie wichtig ist dir das Cover eines Buches?

Sehr wichtig! Das Cover soll schon mal die Atmosphäre des Buchs rüberbringen, das Cover ist das erste, was die Leute von einem Buch sehen. Ich bin ja hauptberuflich Texterin, Designerin und Fotografin und habe eine Werbeagentur. Wenn ich Laie im Designen wäre, würde ich die Covergestaltung unbedingt einem Profi übertragen! Ich finde, man ist es seinen Lesern schuldig, dass sie ein Buch haben, das nicht nur gut zu lesen, sondern auch schön gestaltet ist. Deshalb habe ich auch beim Druck auf hohe Qualität geachtet.

Was bedeutet Lesen für dich?

Ich kann mir ein Leben ohne Lesen nicht vorstellen. Seit meiner Jugend baue ich mir systematisch eine Bibliothek auf, und momentan bin ich bei ca. 4.500 – 6.000 Büchern. Genau sagen kann ich das, wenn ich mit dem Katalogisieren fertig bin. 

Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

„Eine Villa zum Verlieben“. Das fand ich süß, und so würde ich auch gern wohnen.

Wie sieht dein Alltag aus? Hast du Kinder?

Nein, leider habe ich keine Kinder. Also, mein Alltag: Morgens, wenn ich aufwache, schnurren neben mir fünf Katzen. Wie gesagt, bis vor kurzem waren es sechs, und ich vermisse Maxi sehr. Dann tappe ich runter in die Küche (ich bin wohl so etwas wie ein Morgenmuffel), richte den Miezies ihr Futter und mir mein Frühstück, und dann ab ins Bad und an den Schreibtisch. Ich bin selbstständig und habe eine Werbeagentur. Die Geschäftsräume sind in der Einliegerwohnung meines Häuschens, was ich sehr praktisch finde. Ja, und dann: Was der Tag eben verlangt. Texte schreiben. Oder fotografieren. Telefonieren. Leider auch Buchführung und ähnliche Sachen, die ich eher langweilig finde. Broschüren und Websites gestalten. Weiterbildung. Zu Besprechungen zu Kunden fahren. Jetzt gerade recherchiere ich für den zweiten Katzen-Krimi, dessen erstes Kapitel schon steht. Ab dem 14. April werde ich richtig loslegen mit Schreiben, das heißt: Nach Feierabend mir einen richtig tollen Latte Macchiato machen, und los geht’s! Warum das grade der 14. April sein muss? Das ist mein Geburtstag.

Was sind deine Hobbys und Interessen? 

Lesen und schreiben, fotografieren, mit interessanten Leuten zusammensitzen und diskutieren. Blumen und Gärten. Wie Menschen ticken, das finde ich auch sehr spannend. Spirituelle Themen interessieren mich sehr, Gurus allerdings überhaupt nicht. Seit kurzem mache ich wieder Yoga. Abendspaziergänge am Bodensee, am liebsten im Gespräch mit netten Menschen. Oder mit meiner Kamera (wie viele Fotos von Sonnenuntergängen am Bodensee habe ich eigentlich schon aufgenommen?).

Was ist deine Lebensphilosophie?

Werde, der du bist. Jeder hat seine ganz individuellen Anlagen. Es ist wichtig, die zu entfalten, auch wenn man damit nicht den Erwartungen anderer entspricht. Das kann ziemlich schmerzvolle Erlebnisse mit sich bringen, aber es ist wichtig. Niemand anderer kann den Platz ausfüllen, der Deiner ist. Das bedeutet auch, dass man immer weiter dazulernt, Gegebenes hinterfragt und bereit ist, sich von vorgefassten Meinungen wieder zu trennen oder sie zu relativieren, wenn man merkt, dass die nicht (mehr) passen und stimmen.

Hast du schon das nächste Projekt im Kopf?

Ja, klar! Den zweiten Band der Coco-KatzenKrimis. Und dann gibt es noch ein Projekt, das ich sehr mag: Ich habe Geschichten zu wunderschönen Gärten und Parks am Bodensee gesammelt und die Gärten und Parks fotografiert. Dieses Buch kann ich aber nicht als Self Publisherin stemmen, da brauche ich einen Verlag, dem das ebenso am Herzen liegt wie mir. Aber jetzt erst mal: Der nächste Coco-KatzenKrimi. Er beginnt mit einem venezianischen Kostümball, bei dem sich um Mitternacht die Gastgeberin in die Tiefe stürzt, nachdem sie die ganze Zeit über gut gelaunt war und getanzt hat. Es sieht aus wie ein Selbstmord, aber es war Mord. Katze Coco ermittelt. 

Foto: Ingeborg Wagner, Schwäbische Zeitung

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